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Geheimer Komerzienrat Julius Woog

Der Königlich Bayerische Kommerzienrat und Lippe-Bückeburgische Geheime Kommerzienrat Julius Woog wurde am 4.10.1865 in der Rathausstraße in Bingen als Sohn des jüdischen Weinhändlers Josef Woog und Juliana geb. Hitz geboren. Sein Vater bekleidete das Ehrenamt des Beschneiders  in der jüdischen Kultusgemeinde.

Julius Woog war als junger Mann nach Berlin gezogen und dort zu einem ansehnlichen Vermögen gelangt. Er kaufte dort die Vegas-Galerie und seine Villa in Berlin-Grunewald war Begegnungsstätte der Berliner Gesellschaft. Er blieb seiner Heimatstadt Bingen aber immer verbunden, besuchte sie oft und hielt auch gelegentlich Vorträge in der "Binger-Casino-Gesellschaft".   
Durch seine Freundschaft mit Kommerzienrat H.C.Fischer, Mitinhaber der Bingerbrücker Firma Stöck & Fischer, reifte 1911 der Gedanke in seiner Heimatstadt eine Festhalle zu bauen. Zu diesem Zwecke gründete er die "Binger Festhalle, Gesellschaft mit beschränkter Haftung" und trug seine Gedanken Bürgermeister Neff vor, der in der Stadtverordneten-Versammlung am 28.9.1911 diese Pläne auf die Tagesordnung setzte.

In der darauffolgenden Versammlung am 13.11.1911 wurde das Vorhaben kontrovers diskutiert, da der Stadtverordnete May persönliche Vorbehalte gegen Julius Woog hatte. Besonders der Beigeordnete Fischer und der Stadtverordnete Racke sprachen sich vehement für das Vorhaben und für Kommerzienrat Woog aus, so daß schließlich die Versammlung dem Vorhaben zustimmte und dem Stadtverordneten May weitere Wortmeldungen gegen Woog untersagte. Auf den Vorschlag den freien Platz um die Festhalle in "Woogplatz" aufgrund seiner Verdienst um die Gründung des Unternehmens zu benennen, verzichtete Julius Woog zugunsten der Benennung des Platzes in "Ernst-Ludwig-Platz".  
In der gleichen Sitzung wurden die Stadtverordneten-Versammlung davon unterrichtet, daß Kommerzienrat Woog die Absicht habe der Stadt ein Denkmal des Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen zu stiften. Der Großherzog Ernst Ludwig zeigte sich bei Unterbreitung des Vorschlages überrascht, dass ihm bereits Lebzeiten ein Denkmal errichten werden sollte und schlug vor das Denkmal seinem verstorbenem Vater Ludwig IV. von Hessen zu widmen.
Julius Woog erwarb das Gelände neben dem Badhaus und mit einem Stammkapital von zunächst 180.000 Mark begannen im Sommer 1912 die Bauarbeiten.
Mit der Errichtung des Denkmals beauftragte Julius Woog den Berliner Bildhauer Hans Dammann. Beide werden am 7.12.1912 in Darmstadt von Großherzog Ernst Ludwig mit einem ersten Denkmalentwurf empfangen.
Am 3.3.1913 fassen die 14 Mitglieder der Stadtverordneten-Versammlung den Beschluß Julius Woog die Ehrenbürgerwürde verleihen zu wollen, wenn das Denkmal des Großherzogs enthüllt ist und mit dem Bau des Woog´schen  Landhauses in der Rochusallee begonnen wurde; 2 Mitglieder der Versammlung stimmen gegen die Verleihung.
Bereits am 19.2.1913 wurde Julius Woog auf eigenen Antrag mittels Aufnahmeurkunde, ausgestellt vom Großherzoglichen Kreisamt Bingen in den hessischen Staatsverband aufgenommen.
Julius Woog erwidert das Ansinnen des Stadt Bingen zu Verleihung der Ehrenbürgerwürde: "... Ich danke Ihnen herzlich für diese gute Absicht, allein der Umstand, dass diese Widerspruch erfahren, lässt mich darauf verzichten, da nur ein einstimmiges Voto (?) hätte mich veranlassen können die Ehrung anzunehmen."
Seine Bemühungen zur Errichtung des Denkmals und zur Vollendung der im Bau befindlichen Festhalle erfahren durch diese Geste keinen Abbruch. In Berlin versuchte er sogar noch durch seine Beziehungen eine Garnison in Bingen zu errichten zu lassen.  

Am 21.6.1913 findet die Einweihung der Binger Festhalle, am darauffolgenden Tag die Enthüllung des Denkmals statt. "... Eine tausendköpfige Menschenmenge hatte in den Rheinanlagen, dem Denkmal und dem Festhallenplatze Aufstellung genommen. ...Herr Bürgermeister Neff entbot dann den um das Denkmal Versammelten herzliche Begrüßungsworte und gab anschließend hieran das Zeichen zum Fallen der Hülle. Die Musik intonierte den Choral aus dem altniederländischen Dankgebet: "Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten". Vom Rhein herüber grüßte der Donner der Böller und die Strahlen der Sonne überfluteten mit ihrem Glanz den feierlichen Akt. Als Vertreter SR. Kgl. Hoheit des Großherzogs und der Staatsregierung gratulierte der Provinzialdirektor der Provinz Rheinhessen, Herr Geheimrat Dr. Breidert aus Mainz der Stadt Bingen zu dem herrlichen Denkmal. Im Auftrag des Großherzogs überreichte er dem Herrn geheimen Kommerzienrat Woog das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipp des Großmütigen, dem Schöpfer des Denkmals Bildhauer Hans Dammann aus Berlin, die silberne Medaille für Kunst und Wissenschaft. ... In sämtlichen Räumen der Festhalle folgte dann ein ausgedehnter Frühschoppen, in den Rheinanlagen spielte die Kupferberg-Kapelle die Blasmusik. "       
Am 8.10.1927 starb der Geheime Kommerzienrat Julius Woog in Berlin-Grunewald.

Quellen:
Stadtarchiv Bingen
Privatarchiv Carl Woog
Mittelrheinische Volkszeitung , 23. Juni 1913

Carl Woog
30.03.2014